Was macht uns zu besseren Spielern? Teil 3

Eine Serie für Anfänger und Fortgeschrittene! – Teil 3

Autor: Bene „Machkaputt“

4. Live-Spiele und Simulation

In den ersten beiden Teilen dieser Serie haben wir uns vorwiegend mit Theorie beschäftigt. Wir kennen nun eine Reihe von Medien, die man für neue Ideen und Taktiken konsumieren kann. Wir verwenden ein Playbook, um unsere Überlegungen zu einzelnen Listen festzuhalten. Wir stellen Listen danach zusammen, welche Piloten und Upgrades den größten Mehrwert generieren und möglichst viele „Win Conditions“ versprechen.

Im letzten Teil der Serie steigen wir in die Praxis ein. Dabei geht es um grundsätzliche Überlegungen, wie Ihr Euch beispielsweise auf ein großes Turnier vorbereitet, aber auch um Anregungen, die Ihr während jedem Spiel anwenden könnt.

a) Die Wahl des Gegners und der Listen

1. Gegnerwahl

Ich startete meine „X-Wing-Karriere“ im Kleinen. Anfangs spielte ich ausschließlich in meiner kleinen Rosenheimer Community und erzielte auf den lokalen Turnieren mittelmäßige Ergebnisse. Nach einigen Monaten fuhr ich auf mein erstes regionales Turnier. Ich traf auf einige neue Spieler. Ich wurde richtig verprügelt. Durch das Turnier knüpfte ich die ersten Kontakte in die Münchner Community, ich fuhr auf weitere regionale und letztendlich auch nationale und internationale Turniere. Meine Lernkurve ist seitdem (meist) steil.

Das hat natürlich nichts mit der Rosenheimer Community an sich zu tun. Es ist aber ganz natürlich, dass große Lerneffekte erst durch Abwechslung und Herausforderungen eintreten. Wenn man immer wieder gegen die gleichen Gegner spielt, stellt man sich auf dessen Taktiken ein. Der Gegner macht es ebenso.

Sucht Euch deshalb – soweit möglich – immer wieder neue Gegner. Bereitet Ihr Euch auf ein Turnier vor, testet Eure Liste an den härtesten Spielern, die Ihr finden könnt.
Gleichzeitig ist es ebenso gut, gegen Spieler mit weniger Erfahrung zu spielen. Bei meinen letzten Turnieren bin ich immer wieder auf Spieler getroffen, die erst seit Kurzem spielen, mich aber trotzdem in brenzlige Situationen gebracht haben. Normalerweise versuche ich meine Entscheidungen so zu treffen, in dem ich die beste Option des Gegners antizipiere. Unerfahrene Spieler sehen ihre beste Option aber vielleicht gar nicht und machen aus der eigenen Sicht etwas total Irrationales. Brandgefährlich, aber eine gute Lernerfahrung.

Eine sehr gute Gelegenheit, gegen wechselnde Gegner zu spielen, sind regelmäßige Spieleabende bei Eurem Local Dealer oder natürlich eine Liga in Eurer Stadt. Informationen zu den meisten Ligen findet Ihr im Moseisley-Raumhafen (www.moseisleyraumhafen.com).

2. Listenwahl

Was für die Wahl der Gegner gilt, gilt ebenso für die Auswahl der (eigenen) Listen. Egal, welche Schiffe oder Piloten gerade beliebt sind:

Bei X-Wing gibt es sogenannte Archetypen, Listen, die nach einem bestimmten Muster strukturiert sind.

Beispiele für klassische Archetypen sind:

  • Effizienzlisten
    Generische Piloten mit niedriger Initiative, möglichst viele rote Würfel und Hitpoints; (eine Unterkategorie davon ist der Schwarm: 5+ Schiffe);
  • Kontrolllisten
    I.d.R. drei bis vier Schiffe; Durch Pilotenfähigkeiten und Upgrades „kontrolliert“ man den Entscheidungsspielraum des Gegners, z.B. durch Verteilen von Stress, Entnahme von grünen Token, Brechen von Zielerfassungen oder Neupositionierung seiner Schiffe;
  • Aces/Arc Dodger
    I.d.R. zwei Piloten mit wendigen Schiffen sowie ein Support-Schiff; Durch vorsichtiges und geduldiges Spiel versucht man gegnerische Feuerwinkel zu vermeiden.

Dabei gibt es eine Vielzahl an Mischformen von Archetypen. Jeder Typ erfordert verschiedene Spielweisen, verfügt über verschiedene Mechaniken und hat unterschiedliche „Win- und Loss-Conditions“. Die meisten Spieler haben eine Vorliebe für einen Archetyp.

Sofern möglich, bittet Eure Gegner, ob sie zum nächsten Spiel eine bestimmte Liste mitbringen können. Wenn Ihr auf einem Turnier einen bestimmten Archetyp als Gegner erwartet, versucht vorab dagegen zu spielen. Noch besser: Spielt ihn selbst. So findet Ihr besser heraus, wie Euer Gegner damit umgehen wird und könnt seine Entscheidungen besser vorhersehen.

Je mehr Listen Ihr vorab kennenlernt, desto weniger Mühe wird es Euch bereiten, die gegnerische Liste auf einem Turnier vorab zu analysieren und Win- oder Loss-Conditions für Euch festzulegen.

3. Der Simulator

Es ist ganz klar, dass man seine Spiele in der Regel in der eigenen Community abhalten wird und öfter gegen die selben Spieler spielen wird. Bald gibt es bei X-Wing sieben Fraktionen. Der Trend wird eher dazu gehen, dass Spieler sich auf ein bis zwei Fraktionen beschränken und sich nicht mehr alles zulegen.

Eine sehr gute Möglichkeit, dennoch alle Fraktionen zu testen und gegen verschiedene Spieler anzutreten, ist der Tabletop Simulator (erhältlich z.B. über Steam) mit einem sehr guten X-Wing-Mod. Das Training am PC wird nie das tatsächliche Spiel ersetzen. Da der Simulator aber weitestgehend manuell gehalten ist, müsst Ihr selbst an die (vielen) Effekte Eurer Liste denken und könnt Euch so an sie gewöhnen. Da sämtliche Karten und Modelle des Spiels enthalten sind, könnt ihr auch wirklich alles ausprobieren.

In der deutschen Community ist der Simulator mittlerweile sehr verbreitet. So habt Ihr einen einfachen Zugang zu den Spielern, die Ihr auf regionalen und nationalen Turnieren treffen werdet.

4. Spieletagebuch

Wie bei vielen Dingen (vor allem im Sport) gilt:

je öfter man etwas macht, desto leichter geht es von der Hand.

Bei X-Wing ist es natürlich ähnlich. Trotzdem sind die Spieler, die am meisten Zeit in das Hobby investieren, nicht automatisch auch die erfolgreichsten. Es sind in der Regel die Spieler erfolgreich, die

  1. viele Spiel absolvieren und
  2. aus diesen Spielen lernen.

Eine Möglichkeit, sich neue Erkenntnisse aus einem Spiel bewusst zu machen, ist ein Spieletagebuch zu führen. Darin führt man kurz auf, welche Liste man gespielt hat, was der Gegner gespielt hat, was gut funktioniert hat, was schlecht gelaufen ist. Das könntet Ihr sehr gut in Euer Playbook integrieren.

b) Das aktive Spiel

1. Makro- und Mikro-Entscheidungen

Die bisherigen Inhalte haben sich vorwiegend mit Entscheidungen rund um das Spiel beschäftigt:

  • Wie stelle ich meine Liste zusammen?
  • Welche Mechaniken verfügt meine Liste?
  • Mit welchen gegnerischen Listen werde ich auf einem Turnier rechnen müssen?
  • Unter welcher Bedingung werde ich ein Spiel gewinnen, unter welcher verlieren?

Das sind dem Spiel übergeordnete Entscheidungen, Makro-Entscheidungen. Diese sind ein wichtiger Bestandteil von X-Wing. Wenn Ihr Euch ausreichend Zeit nehmt, ist es wahrscheinlich, dass Ihr diese Entscheidungen richtig treffen werdet.

Aber wenn Eure Schiffe auf dem Tisch stehen, könnt Ihr es trotzdem mit jedem Spiel auf’s Neue prächtig versauen. X-Wing lebt nämlich auch von den unzähligen kleinen Entscheidungen, die Ihr während des Spiels treffen müsst (Mikro-Entscheidungen).
Dazu gehören im Wesentlichen:

  • das Vorhersehen gegnerischer Entscheidungen (Einstellen von Manövern, Nutzen von Effekten),
  • vorausschauendes Positionieren der eigenen Schiffe sowie statistische Überlegungen (Würfelspiel!).

2. Mikro-Entscheidungen: Schnelles und langsames Denken

Der Mensch kann Entscheidungen auf zwei Arten treffen:

schnell und langsam.

Mit schnellen Entscheidungen haben wir über Jahrtausende überlebt. Greift der Säbelzahntiger an, müssen wir in Sekundenbruchteilen entscheiden, was zu tun ist. Man trifft Entscheidungen aus dem Bauch heraus, emotional und instinktiv.

Mit langsamen Entscheidungen sind wir in den Weltraum geflogen. Wir stellen Berechnungen an, ziehen alle bekannten Fakten mit ein und treffen am Ende eine rationale und objektive Entscheidung.

Ohne schnelle Entscheidungen könnten wir im Alltag nicht zurechtkommen. Bei X-Wing sollten wir aber eine Ausnahme machen. Ganz wichtig dabei ist, sich nicht von seinen Emotionen leiten zu lassen, den wütenden Pinguin draußen zu lassen (siehe hierzu auch: Fürchte den Pinguin – zerstörerische Psychologie im kompetitiven Brettspiel). Wenn etwas nicht klappt, wenn ein Würfelwurf daneben geht, lässt man sich schnell dazu verleiten, das Handtuch zu werfen. Man denkt nicht mehr nach, man schiebt alles auf die schlechten Würfel.

Dabei sind es in den wenigsten Fällen die Würfel. Würfel (in unserem Fall achtseitige Würfel) folgen langfristig statistischen Gesetzen. Was uns wütend macht, sind Ausreißer, vier blanke rote Würfel, wenn man sehr dringend Treffer bräuchte. Oder wir ärgern uns über Würfelergebnisse, die statistisch einfach sehr, sehr wahrscheinlich waren. Wenn ich ein Schiff mit vier grünen Würfel sowie einem Fokus- und einem Ausweich-Token ohne eigene Modifikationen angreife, brauche ich nicht auf viele Treffer hoffen. Dabei haben wir viele Möglichkeiten, die Würfel zu unseren Gunsten zu entscheiden:

  • Nicht in gegnerische Arcs fliegen
    Wenn nicht gewürfelt werden muss, kann auch nichts schiefgehen; überlegt Euch, wie Ihr Eure Schiffe aus den meisten Arcs heraushalten könnt, wo Ihr einen Block setzen könnt;
  • Fokus, Ausweichen, Zielerfassung, Pilotenfähigkeiten
    Es gibt zahlreiche Optionen, Würfel zu modifizieren. Grundsätzlich gilt: je mehr, desto besser (einfache Wahrheit); Oft muss man sich aber entscheiden, welche Option man wählt (Welchen Token wählt man als Aktion?). Das Komplexe daran: manchmal ist der eine Token besser als der andere, manchmal nicht.

Ein Beispiel:
Drei rote Würfel gegen drei grüne Würfel
Angreifer hat Fokus, Verteidiger nichts
=> Im Schnitt erzielt der Angreifer 1,217 Treffer, zu 26,22% ist ein kritischer Treffer dabei (hat der Verteidiger ebenfalls einen Fokus-Token sinkt die Trefferzahl auf 0,638)

Drei rote Würfel gegen drei grüne Würfel
Angreifer hat Zielerfassung, Verteidiger nichts
=> Die Trefferanzahl ist gleich, die Wahrscheinlichkeit für einen kritischen Treffer liegt jedoch bei 36,58%

Braucht Ihr also unbedingt einen kritischen Treffer (und keinen Fokus-Token ggf. für die Verteidigung braucht), wählt eine Zielerfassung.

Diese Liste könnte man beliebig weiterführen. Die Botschaft ist hier, dass Ihr versucht, ein Gefühl für Wahrscheinlichkeiten zu entwickeln.

Ein fantastisches Tool hierfür findet Ihr auf www.xwing.gateofstorms.net. Hier könnt Ihr nach belieben verschiedene Konstellationen zusammenstellen und Euch Wahrscheinlichkeiten errechnen lassen. Das wird Euch Entscheidungen während des laufenden Spiels erleichtern.

Und das war es auch schon wieder. Die Serie sollte Euch einen Werkzeugkasten bieten, mit dem Ihr Euer eigenes Spiel verbessern könnt. An vielen Stellen wurden Ansätze beschrieben, die Ihr mit den vielen, weiteren Artikeln im Internet noch ausbauen könnt.

Ich wünsche Euch viel Spaß dabei.