Der Alte Mann und das Turnier…

Autor: Michael

Nach meinen ersten beiden Turnieren in Sachen X-Wing will ich euch in diesem Artikel einfach mal meinen persönlichen Weg und die Erfahrungen mit und bei X-Wing Turnieren näherbringen. Vielleicht kann ich auch dem einen oder anderen ein bisschen die Scheu nehmen, an so einem Turnier teilzunehmen. Ich will euch gerne auch an meinen Spielfehlern teilhaben lassen und auch darüberschreiben, was so ein Turnier für das eigene X-Wing Spiel bedeuten kann und wie es das eigene Spiel bereichert.

…oder vom Hobbykeller in die große weite Welt.

Warum überhaupt X-Wing?

Historisch gesehen komme ich aus dem Brettspiel- und Rollenspielsektor, ergänzt durch ein bisschen Warhammer 40K, ein wenig Battletech und vor allem aus dem Herr der Ringe Tabletop. Ergänzt wird das Ganze noch durch einige LCGs wie Star Wars, Netrunner und dem Herr der Ringe LCG.

Kurz gesagt: ich liebe Spiele und ich mag Spiele des Spielens willen. Ein Sieg ist mir nicht so wichtig, Hauptsache wir alle haben Spaß dabei.

Was aber häufig fehlt, sind entweder die richtigen Spielpartner und natürlich auch die Zeit. Gerade das Herr der Ringe Tabletop ist irgendwann in eine Stunden- und Punkteschlachten ausgeartet und auch kiloweise Regelbücher zu verschlingen, machte irgendwann keinen Spaß mehr. Ich bin dann eher in das meditative Figurenbemalen und ein wenig in den Geländebau gewechselt.

Aber irgendwas fehlte: Püppchen über einen Tisch schieben.

Ich war also auf der Suche nach einem eher kürzeren und von den Regeln her einfacheren Spiel und bin da auf die 1.0 Version von X-Wing gestoßen. STAR WARS und Figuren / Schiffe über einen Tisch schieben, das sollte es doch sein.

So war es dann auch. Zu Weihnachten 2017 (oder war´s 2016 , der alte Mann halt), hat der Sohnemann dann die Grundbox 1.0 geschenkt bekommen.

Ja ich geb´s zu, es war ein klassischer Fall von „Selbstbeschenkung“ über Dritte.

Es ging also los, 1 X-Wing gegen 2 TIEs und nach wenigen Spielen war uns klar:

Das ist unser Spiel.

Das Netz hielt eine Menge Infos für uns parat und vor allem viele, viele Schiffe. Im Laufe der nächsten Monate wurde das Spiel erweitert um A-, B-Wing und Y-Wing, TIE Advanced (VADER!), Bombern, Interceptoren usw. Vor allem aber um viele, viele Ausrüstungskarten.

Sollte ich doch mal ein Tunier spielen? Warum nicht?

Darum nicht:

Regelerrata noch und nöcher und dann erst das ganze META (was war denn das?), Doppelkrabben?, Dengeroo? usw. usw. usw. Das Spiel war mir einfach auf Turnierebene schon wieder viel zu freakig geworden. Ich wusste oder besser dachte, da haste keinen Spaß daran und X-Wing wird bei mir genauso enden, wie 40K oder das HdR-Tabletop, wo dann irgendwann nicht mehr der Spaß am Spiel im Vordergrund steht und wo man einfach nur eine schöne Zeit erleben will.

Ich hatte den Eindruck es geht nur noch um´s Gewinnen und um Effizienz. Auch die privaten Spiele mit dem Junior wurden auf Grund der Materialflut zunehmend anstrengender, so dass ich am Ende nur noch sagte:

„Bau mir einfach mal ´ne Liste gegen die DU fliegen willst“.

Dann kam im Jahre 2018 die Ankündigung: Version 2.0!!!

Neu ist nicht unbedingt besser, aber das was ich gelesen hatte, macht mich dann doch neugierig. Aber wirklich umsteigen? Nochmal Geld ausgeben für die Conversation-Kits? Wir werden ja eh nicht auf Turniere fahren.

Ihr könnt es euch natürlich denken:

Klar wurde auf 2.0 gewechselt und plötzlich war das Spiel wieder für mich interessant, weil es sich gefühlt wieder deutlich einfacher und vor allem schlanker spielte und wieder mehr zu seinem Ursprung, dem fliegen zurückkehrte.

Auch die Aufteilung in mehrere und neue Fraktionen fand ich großartig. Es wurde dir nicht mehr sooo stark vorgeben was du effizient zu spielen hast, sondern mehr worauf Du einfach Lust hast. Auch wenn ich bei meinen Rebellen hängen geblieben bin und der Nachwuchs weithin auf die Imps setzte, finden wir die anderen Fraktionen echt spannend und ich denke, sie werden im Laufe der Zeit das Spiel prima bereichern.

Nachdem mein Junior seit einigen Wochen immer auf die offenen Spieleabende geht, sich auf der MER (MosEisleyRaumhafen)-Seite und in einers WhatsApp-X-Wing-Gruppe angemeldet hat, kam er plötzlich mit der Frage:

„Hey Dad, bist Du eigentlich auf T3?“.

Da war mir klar worauf das Ganze hinauflaufen wird: Er will auf ein Turnier!

OK, dann also doch mal ein Turnier. Bei T3-Tabletop angemeldet und nach dem nächsten Turnier in München gesucht –> Aber nix gefunden. Das kann doch nicht sein, dass eine der größten Städte im Lande keine X-Wing-Turniere veranstaltet. Also musste ich den Entfernungskreis erweitern und siehe da, eine Stadt kam mir bekannt vor:

Freising

Also ging´s nach Freising, aber vorab liefen natürlich noch die Vorbereitungen für unser erstes Turnier.

…die Vorbereitungen und es wird schon wieder stressig

In meinen Turnierbeschreibungen werdet ihr sicherlich keine großartigen Rundenanalysen finden, das können andere viel besser. Mir geht es eher darum, ein wenig die Stimmung einzufangen, aber auch die Community zu beschreiben. Vielleicht ist für euch „Turniereinsteiger“, so wie auch ich einer bin, aber auch der eine oder andere nützliche Tipp dabei.

Meine Aha-Momente werde ich immer als AWL kennzeichnen.

Also praktisch in alter Lothar Matthäus-Manier: Again What Learned

Auch wenn viele alte Hasen bei meinen AWLs den Kopf auf die Tischplatte knallen lassen oder die Augen verdrehen, weiss ich eins:

Ihr habt genauso angefangen 😉

Vorbereitungen

Der große Tag rückte also näher und es stellte sich die Frage:

Was spiel ich überhaupt?

Beim Junior war es klar, nämlich das, was er gefühlt die letzten 7000 Partien gegen mich gespielt hat. Seine 2-Defender-Liste. Wenn ich das Wort „Finte“ noch einmal höre dreh ich durch. Wir spielen (besser spielten) eigentlich immer nach dem Schema, das eine Liste so lange gespielt wird, bis der Gegner sie 2x schlägt. Sohnemanns Defenderliste hat mir da wirklich Kopfschmerzen bereitet und ich habe etliche Spiele und Schiffsumstellungen gebraucht, bis ich die mal gepackt habe. Für Ihn war das ein Vorteil, da er die Defender somit sehr lange, sehr effektiv gegen mich und meinen Spielstil einsetzen konnte.

Aber was sollte ich spielen?

Ich hatte auch nur eine limitiere Anzahl an Schiffen, da ich zwar etliche habe, aber oft nur 1 oder maximal 2x. Da wurde die Wahl schon ziemlich eng.

Die Y-Wings waren mir zu träge, nur X-Wings zu fad, die A-Wings zu zerbrechlich, der Falke mir zu groß und die B-Wings zu langsam. Also doch mal einen No-Brain-SuperDash spielen? Ne, denn hab ich schon so lange nicht mehr gespielt, ich weiß ja fast schon nicht mehr wie das Modell aussieht.

Corran im E-Wing? Ja, das wäre eine Möglichkeit, aber ich hab ihn in 2.0 noch nie eingesetzt und er war und ist immer noch teuer in den Punkten. Aber ich mag Corran und auch wenn seine Fähigkeit in 2.0 abgeschwächt ist, seine 3/3/3/3-Aufteilung und auch das Manöverrad gefällt mir.

Wedge finde ich auch großartig, DER muss mit rein und somit habe dann auch schon 2/3 der berühmten Gespensterstaffel.

Luke finde ich auch ziemlich nice, pack ich den noch dazu. Und wie in 1.0 werden die Schiffe vollgepackt mit Ausrüstungen, damit sie später schöne Punktegräber sind.

Aber:

So ich mir das vorstelle geht das gar nicht: too much points.

Ich wollte aber an dem XXE festhalten und so flog Luke nach Dagobah und Garven Dreis machte sich im Dreiergespann breit. Seine zusätzliche Fähigkeit einem befreundeten Schiff einen Focus zu spendieren wird mir im Spiel sicherlich hilfreich sein.

Die Liste stand und war für mich auch spielbar.
Dann mussten wir noch das Material zusammenpacken und da gab´s auf beiden Seiten erstmal große Augen: Wir hatten nur ein Schadensdeck, da wir 2.0 Grundbox auch nur einmal haben.

Nicht so schlimm, der Turnierveranstalter hat bestimmt hunderte Ersatzdecks vorrätig, da er weiss, dass sicherlich hin und wieder Leute wie wir ohne Schadensdeck anreisen.

AWL: Jeder sollte auf einem Turnier sein eigenes Schadensdeck dabeihaben.

Also dann nur noch kurz die Hindernisse eingepackt.

„Nein, nein Junior den nehme ich mit. „
„Nein Papa ich will den haben.“
„Nein ich will den kleinen mitnehmen.“
„Warum Du?“
„Gut, dann nehme ich halt die aus der 1.0er Box mit“
„Kannste nicht, die sehen anders aus“
„Schmarrn“

AWL: Die Hindernisse in 2.0 sehen anders aus und nur die sind turnierlegal

Was bisher nie ein Thema war, war plötzlich eins. Wir hatten nicht die erforderliche Anzahl der gewünschten Hindernisse.
Einen sehr schönen Artikel zum Thema „Hindernisse“ findet ihr übrigens auf dieser Seite hier.

Letztendlich konnten wir uns natürlich einigen und haben das Problem auf die Mutter geschoben, weil sie dem Christkind nicht korrekt mitgeteilt hatte, dass wir ja eigentlich ZWEI neue Grundboxen brauchten.

So jetzt nur noch die Marker und Schiffe verpackt, „Illy08“ in seine Bob-der-Baumeister-Werkzeugkiste und „Zemus“ 8 Gummiringe um seine Feldherr-Einlagen gewuchtet, was aber auch nichts genutzt hat, da die Flugschablonen trotzdem immer wieder rausgefallen sind.

Das Team „Vater-Sohn“ war also bereit, ihr erstes Turnier zu besuchen.

Wie´s uns da erging lest ihr gleich.

Ein kurzer Spoiler: Es hat irre viel Spaß gemacht.

…oder es lief doch wie erwartet oder doch nicht?

Also auf ging´s nach Freising zu Gunship Games. Die Sonne schien, die Rucksäcke waren gepackt, das Navi programmiert und nach der avisierten Zeit standen wir vor unserem ersten Veranstaltungsort und zwar 45 Minuten zu früh. Aber ehrlich, wer will an seinem ersten Turnier zu spät kommen und außerdem war dies ein hervorragender Moment, um in den Hobbit-Modus zu verfallen und sich ein zweites Frühstück zu genehmigen.

Wenige Minuten später traf dann der erste Profi ein: Sven „DaCruz“ und begrüßte uns sehr freundlich und ohne den erwarteten Gesichtsausdruck „Marke: Punktelieferant gesichtet“.

Weitere Teilnehmer erschienen und gleich wurde ein wenig fachgesimpelt. Also die anderen, ich war da irgendwie immer noch ein wenig zu (Spiel)respektbehaftet.

Es öffneten sich die heiligen Hallen und auf ging´s. Anmeldung, Startgebühr bezahlt und es ging runter zu der Spielfläche. 13 Leute waren wir, vollgepackt mit X-Wing-Zeugs.
Jetzt mussten wir nur noch das Schadensdeckproblem lösen. Leider hatte der Veranstalter dann doch keine hunderte Schadensdecks vor Ort. Also wie lösen wir das? Sven „DaCruz“ hatte das mitbekommen und einfach mal in die Runde gefragt, wer evtl. noch ein zusätzliches Deck dabei hat. Sascha „Loken5888“ war dann so nett uns sein Zweites zu geben. Währenddessen hatte ich auch noch mitbekommen, dass auch jemand einen Asti zu Hause vergessen hatte. (Ich glaube, es war sogar der spätere Turniersieger Sascha)

AWL: 
Auch „Profis“ vergessen Material

Somit hätte ich also jetzt starten können, bis ich gesehen habe, dass einige Teilnehmer angefangen haben, auf Ihren ausgedruckten Listen rumzumalen. Wo war meine Liste überhaupt? Natürlich nicht dabei (alter Mann halt wieder). Kurz beim Veranstalter nachfragt, ob er meine vorab zugemailte Liste nochmals ausdrucken könnte, wurde mein Wunsch umgehend zur vollsten Zufriedenheit erfüllt.

AWL: 
Auch wenn Ihr die Liste schon vorab zugesandt habt,
druckt sie nochmal aus und nehmt sie mit.
Du und Dein Mitspieler braucht sie.

Hatte ich überhaupt ein Ziel auf dem Turnier oder sollte es doch nur eine Abreibung für mich und „Illy08“ geben, so dass wir beide dann zukünftig keine Lust mehr auf die „Erfahrung Turnier“ haben werden?

Ja, ich hatte ein Ziel: Ich wollte EIN Schiff von irgendeinem Gegner abschießen. Rangmäßig hatte ich mich zu 100 % auf den letzten Platz eingestellt, aber vielleicht konnte ich mich doch irgendwie noch vor meinem Nachwuchs platzieren. Dies wird sicherlich schwer werden, da ich seine Defender schon ziemlich stark fand und er doch vielleicht einen Glückssieg landet.

Endlich ging es los, die Partien wurden vergeben und mein erster Gegner wartete auf mich.

Runde 1

Mein erster Gegner war aber eine Gegnerin: Lara „Howlrunner“. Das fand ich nett, aber mein tief vergrabender, innerer Machoteil kroch hervor und dachte gleich:

Super, die erste Ohrfeige bekommst du von ´nem Mädel.

Vor allem, ich war echt so was von nervös, dass ich fast von meinem X-Wing, welchen ich gerade in der Hand hielt, einen Flügel abgebrochen hätte.

“Howlrunner“ stellte Ihre Schiffe auf und gab mir einen kurzen Überblick über Ihre Staffel.

Ich kam, sah und hatte keine Ahnung was da auf der anderen Seite aufflog.

Hatte ich noch nie gesehen. Musste wahrscheinlich irgend so ein Scum-Zeug sein. Wir hatten ja nie mit Scum zu tun und dann gleich das erste Spiel gegen so was. Das einzige, was ich über Scum wusste, war, die können echt nervig sein (Partybus und solche Scherze). Es würde nicht nur eine Ohrfeige für mich geben, sondern zwei. Ich glaube es waren 4 H-6 Bomber mit dorsalen Geschütztürmen und irgendwelchen Gunnern.

Ich teilte meine Staffel auch der guten „Howlrunner“ mit und in Ihrem Gesicht erschien, für mich überraschend, kein Siegerlächeln. Gut, auf dem Papier hat sich meine Liste auch gut angehört, aber sie wusste auch nicht, dass ich absoluter Newbie bin.

Nachdem sich meine zittrigen Hände etwas beruhigt hatten, ging es los: Manöverräder einstellen und fliegen. Nach ein paar Runden wurden die ersten roten und grünen Würfel geworfen, der erste Schaden eingesteckt, aber auch ausgeteilt. Ich war stolz, ich hatte einem „Profi“ Schaden verursacht!

Was aber auch meiner Nervosität überhaupt nicht zu Gute kam, war mein unaufgeräumter „Arbeitsplatz“. Marker lagen irgendwo rum und wenn Du 20 Sekunden lang Deine 1-geradeaus-Schablone suchst, führt dies auch nicht gerade dazu, ruhiger zu werden.

AWL: 
Schau, dass Du Dein Spielmaterial gut während des Spiels verstauen kannst.
Finde etwas, was für Dich geeignet ist.
s müssen auch nicht gleich diese saugeil aussehenden Manöver-schablonen-Trays sein,
die günstigen aus Holz machen es genauso gut.
Das Suchen nach Material verursacht Dir in diesem Moment mehr Stress, als Dein Gegner Dir.

Es ging weiter. Ich bin in den nächsten Runden dann auch nicht den vollkommenen Schrott geflogen und meine Schiffe teilten auch hin und wieder ein wenig Schaden aus.

Dann ist es plötzlich passiert:

Corran konnte seine Fähigkeit des zweiten Schusses nutzen und ich hatte ein Schiff meiner Gegnerin abgeschossen.

Minimalziel erreicht! Ein Schiff von einem Profi abgeschossen.

Vielleicht war ich gar nicht sooooo schlecht wie ich immer dachte und es keimte plötzlich ein zartes Pflänzchen der Hoffnung in mir auf. Geht da noch mehr?

Nachdem Corran nach seiner Fähigkeit ja einen „Entwaffenmarker“ erhält, wollte ich ihn erstmal aus der Schusslinie bringen und flog von mir aus gesehen nach links oben davon, um dem Asti vor mir und dem Beschuss hinter mir auszuweichen.

Leider hatte sich der Rest des Scharmützels aber eher in meine untere, rechte Ecke verlagert, so dass ich die nächsten Runden eigentlich nur mit 2 Schiffen was machen konnte, während Corran mit Trompeten und Fanfaren, abseits des eigentlichen Kampfes, seinen Abschuss feierte.

Ich versuchte also Corran wieder ins Spiel zu bringen, aber mit nur 2 Schiffen gegen 3 Geschütze war dann klar, dass auch Wedge irgendwann das Zeitliche segnete. Die schönen Punkte. Garven hatte es dann auch noch zur Hälfte erwischt.

Aber Corran war wieder im Spiel, wenn auch schon zur Hälfte abgeschossen. Freudestrahlend und mit Angriffslust ausgestattet, wollte ich dem Scum-Gesindel doch noch die Niederlage verpassen.

„Howlrunner“, gleich habe ich Dich und Deine Schiffe werden von Corran pulverisiert.“

Aber, was macht die Gute? Sie flieht.

Warum?

Zeit zu Ende, war die letzte Runde. Habe ich gar nicht mitbekommen. Was, 75 Minuten sind schon vorbei?

AWL: 
75 Minuten können wie im Flug vergehen.
Darauf habe ich auch gar nicht geachtet, da wir privat immer so lange spielten,
bis der Gegner sein letztes Schiff von der Platte genommen hatte.
Wir spielten nie auf Zeit!

„Howlrunner“ machte somit das taktisch einzig Vernünftige: aus meiner Schussbahn fliegen und ich hatte somit mein erstes Spiel verloren.

Nicht übermäßig deutlich, aber sicherlich weit entfernt von knapp. Garven und Wedge waren die Punktegräber, da beide voll mit Ausrüstung waren.

AWL: 
Ziel ist nicht, den Gegner komplett von der Platte zu fegen (was dann eher das wünschens-werte Sekundärziel ist),
sondern mehr Punkte als der Gegner zu haben.
Das klingt zwar logisch, ist aber eine vollkommen andere Herangehensweise an die Dinge.

Witzigerweise war die erste Reaktion von „Howlrunner“ keine Jubelschrei, sondern erstmal ein langer Ausschnaufer ihrerseits. Ich hatte ihr anscheinend doch mehr Probleme bereitet, als ich selbst von mir angenommen hatte.

„Illy08“ hatte auch sein erstes Spiel verloren, wenn auch nach Aussage „sehr, sehr knapp“

Ohne Verschnaufpause ging es somit gleich ins nächste Spiel.

Runde 2

Mein nächster Gegner war Manuel „the_only_117“ mit einer imperialen Liste. Das war doch mal schön, ein paar Schiffe die ich kannte. 2 Shuttle, einen TIE-Stürmer und ein Abfangjäger.

Ich las Manu meine Liste vor, wobei dieser wohlwissend bei jeder Aussage meinerseits, zustimmend nickte. Nun bekam ich seine Liste vorgetragen und auch ich nickte, aber nicht wohlwissend. In dem Moment hätte Manu auch einem trockenen Stück Brot das erklären können, es hätte mehr von den Infos behalten.

Mit den Shuttle konnte ich auch nicht wirklich was anfangen, da wir keines besitzen. Ich kannte es eigentlich immer nur in 1.0 unter dem Begriff des „Papamobil“, also ausgerüstet mit Palpi und es konnte stehen bleiben.

Glücklicherweise hatte „Illy08“ ein paar Tage vorher gegen Manu und seine Liste beim Spieletreff gespielt und ich bekam vom Junior den Hinweis „Geh nicht auf die Shuttle“.

Dies war also mein Plan, schnapp dir Sontier im Interceptor und die Dutchess im Striker und halte dich von den Shuttle fern. Da ich in meinen Anfangszeiten auch gerne mal imperiale Asse spielte, kannte ich die zumindest einigermaßen gut.

Sicherlich könnt ihr euch denken, wie das lief und warum ich nicht umsonst damals von der imperialen Akademie geschmissen wurde, um mich notgedrungen den Rebellen anzuschließen.

Manu spielte seine Asse wie man sie spielen sollte, schnell, hart, wendig und immer aus meinem Schussfeld draußen. Am meisten gingen mir aber die Shuttle auf den Keks, vor allem das eine, was ständig meine Zielerfassung von Zielschiff nahm und bei sich sammelte. Zudem machten die beiden großen Schiffe, neben den kleinen Fliegern, ordentlich von hinten und von vorne Aua.

Diesmal dauerte es keine 75 Minuten.

Ich wurde nach allen Regeln der Kunst auseinander-genommen. Gerade eine halbe Dutchess konnte ich gewinnen, während bei mir alle Flieger Big-Bada-Bumm machten.

AWL: 
Ich bin die Sache einfach vollkommen falsch angegangen
und auch wenn der Sohn deutlich mehr Plan von dem Spiel, als ich habe:
Nicht immer auf ihn hören 😉 und Schiffe, die stehen bleiben können, sind cool.

Wenigstens hatte ich somit ein paar Minuten Pause um auch mal durchzuatmen und die schöne Freisinger Frühlingssonne zu genießen, sowie ein drittes Frühstück einzuwerfen.

„Illy08“ hatte auch sein zweites Spiel verloren, wenn auch nach Aussage „sehr, sehr knapp“.

Wie es mir in Runde 3 und 4 erging, sowie das Fazit meines ersten Turnierbesuches könnt ihr gleich lesen.

…und weiter ging es.

Runde 3

Das 3. Spiel an diesem Tag war mit Abstand das Schwerste, denn mein Gegner hatte den Turniernamen „Freilos“.

Juhu, nachdem wir eine ungerade Anzahl an Spielern waren, hatte mir Fortuna einen fetten Schmatzer verabreicht und mich in die Zwangspause geschickt.

Ich war wirklich froh, dass ich somit eine ausgiebige Pause hatte und konnte mich von den anstrengenden, zwei vorangegangen, Spielen etwas erholen. Dies nutzte ich, um mich genüsslich in der Freisinger Mittagssonne meinem 4. Frühstück zu widmen.

Vor allem hatte ich endlich die Möglichkeit mich mal zu setzen.

AWL: 
Geh nicht davon aus, dass Dir auf Turnieren das volle Wellness-Programm
mit Massagen und reichhaltigem Buffet angeboten wird.
Es ist aber immer möglich gewesen, jederzeit sich auch etwas zu essen oder trinken zu kaufen.
Auch zwischen den Spielen, wenn diese über die volle Zeitdistanz gehen,
bleibt Dir oftmals wenig bis gar keine Zeit dazu, Dir mal die Birne durchzulüften.
Nix mit 15 Minuten Pause dazwischen.

Nach ausgiebiger Pause ging ich wieder runter zum Schlachtfeld und hatte somit auch erstmal die Möglichkeit auf die anderen Spiele zu schauen.

Auch „Illy08“ war noch in einem Fight gegen einen Separatisten / Maul – Schwarm. Was ich da sah, war auch sehr interessant, den seine Defender waren eingekesselt, wie eine Larve in einem Ameisenhaufen. Somit konnte sich mein Junior nach nur knapp 30 Minuten auch seine wohlverdiente Pause gönnen.

Er hatte somit auch sein 3. Spiel verloren, mit der Aussage: „sehr, sehr deutlich“.

Runde 4

Auch wenn die Pause sehr angenehm war, musste ich nochmal ran.

Leider weiß ich nicht mehr wie mein Gegner hieß, aber zwei Dinge wusste ich. Er spielte X-Wing erst seit wenigen Tagen (lauerte da mein erster richtiger Sieg?) und zweitens, er spielte schon wieder dieses Scum Zeug, von dem ich keine Ahnung hatte.

Vor mir standen also nur 2 Schiffe, eine Slave-1 mit Boba und eine Star-Viper mit Guri. Star-Viper war doch dieses Schiff, das nie wirklich einer gerne geflogen ist?  Hat man sich anscheinend nur gekauft, weil da die „automatischen Schubdüsen“ als Karte in 1.0 dabei waren, oder? Das Schiffsmodel war da eher das Goody zur Karte. Warum spielt mein Gegner dann so sowas?

Es ging also los und mein Plan war, mal ruckzuck die Viper vom Tisch zu nehmen und dann mit 3 Schiffen mit vollem Karacho auf Boba zu gehen. Anflug auf die Viper und versuchen von Boba wegzubleiben.

Mein Anflug hat auch gut funktioniert.

Was aber auch super funktioniert hat, war die Viper mit ihren blöden 1 Bank-Fassrollen. Ich habe das Mistvieh einfach nicht in meinen Schusswinkel bekommen. Nach 2 Runden Katz-und-Maus-Spiel war mir das zu blöde und ich ging Boba ärgern.

Ich konnte ordentlich Schaden auf die Slave verursachen, er leider aber auch auf mich, so das Wedge den Heimflug antreten musste. Zudem kam das Viperle in meinen Rücken geflogen und ich musste mich doch noch um sie kümmern.

Boba konnte ich aber auf Grund meiner Krits, welche ich ihm verpasst hatte, in eine Ecke drängen und das Thema „große Schiffe in Ecke – nix gut“ wurde gespielt und mein Gegner flog von der Platte.

Das waren mal ordentlich Punkte für mich. Mindestens 83 und das sollte doch derzeit eigentlich reichen, da Wedge irgendwo im 60er / 70er Bereich mit seinen Punkten war.

Doch anstatt mich an mein eigenes, erstes Spiel und an „Howlrunner“ zu erinnern und die Punkte einigermaßen sicher nach Hause bringen, musste ich ja noch unbedingt im Punktefreudentaumel Jagd auf die Viper machen.

Hatte ja am Anfang soooo super funktioniert ☹.

Klar, was jetzt kommt! Ich habe die Viper nicht erwischt, sie mir aber noch einen halben Corran runtergeschossen. Knapp 70 Punkte bei Wedge und mindestens 35 bei Corran, bedeutenden somit wieder eins: Niederlage und zwar sowas von verdient.

AWL: 
Bring dich nicht absichtlich in Gefahr, wenn es nicht sein muss.

Wenigstens hatte der Junior mehr Glück, den er bekam in seiner letzten Runde das Freilos (für das man ja einen „Sieg“ erhält).

Somit also 1 zu 3 (eher 0 zu 4). Das Team „Vater-Sohn“ hatte, wie vermutet, ziemlich abgeloost.

Aber, waren wir irgendwie traurig, genervt oder frustriert? Nein, ganz und gar nicht.

Fazit

Ja, wir hatten verloren und ich wurde, wie vermutet, Letzter und „Illy08“ Vorletzter. Wir haben aber auch ein paar schöne Promokarten bekommen, was ich sehr nett fand.

Es hat sich aber auch überhaupt nicht nach Niederlage angefühlt und zwar ausfolgenden Gründen:

Die Location:

Hier nochmal ein Dankeschön an Olli und seine Crew von Gunship Games, überhaupt so ein Turnier zu veranstalten und so gut zu organisieren. Einen Dank auch an Stefan unseren Judge, welcher die eine oder andere Situation mit seinen Laserpointern bewaffnet, fair und neutral gelöst hatte.

Die Community:

Mein besonderer Dank geht aber an die Community.

Dies war ja eigentlich eher mein persönlicher Knackpunkt an dem Ganzen. Wie gehen die Leute mit mir und Ilias um? Da waren schließlich einige deutsche Top 100 / Top 50-Spieler Vorort.

Wenn ich mich da an meine alten 40k oder HdR-Turniere erinnere, welche ich nur zum Zuschauen besucht hatte, war das hier ein Unterschied wie Tag und Nacht.

Freundlich, respektvoll, höflich, aber auch lustig und zwar vom ersten Kontakt bis zum „Servus“-sagen. Es wurde während der Spiele zwar konzentriert gespielt, aber auch sehr viel gelacht. Die Stimmung war bei weitem nicht so verkrampft wie gedacht. Das Ganze war viel mehr Casual als Hardcoreturnier. Die Anwesenden wollten zwar sicherlich gut spielen und sich auch gut platzieren, aber sie hatten vor allen eins:

Viel Spaß an unserem geliebten X-Wing Spiel.

Ich kann dafür nur ein Wort verwenden:

PRIMA

Ich hatte auch nie das Gefühl einen „Gegner“ vor mir zu haben, sondern immer Mitspieler.

Sicherlich geht es bei größeren Turnieren etwas ernster zu, aber egal was für einen Spielbericht ich irgendwo lese, ich kann es nur persönlich bestätigen. Die X-Wing-Community ist eine sehr faire, nette, entspannte und lustige Community. Das Turnier hier war auch kein Einzelfall, den bei unserem nächsten Turnier (gleich eine Woche später) habe ich dasselbe nochmals erlebt.

Also liebe Leute, welche immer noch ein wenig Magengrummeln haben, sich mal bei einem Turnier anzumelden: Es war eine positive Erfahrung für uns und ich denke die werdet Ihr auch haben.

Neben dem ganzen positiven „Drumherum“ gab es aber auch für mich / uns eine ganze Menge was wir im Hinblick, auf das Spiel an sich, mitgenommen hatten.

Hier kommen also noch ein paar Again What Learned, To-Do´s und Nice-to-Have:

Erstmal das Beste: „Illy08“ hat sofort als wir zu Hause waren, seine Defender in die Kiste geräumt. Keine Defender mehr so schnell bei uns 😉.

Ich denke der wirklich große Unterschied war das spielen auf Zeit und wirklich auf die Punkte zu achten. Auf die eigenen, aber auch auf die des Mitspielers. Dies haben wir auch dann sofort bei uns umgesetzt und die heimischen Spiele laufen nun auf Zeit. Das hat auch wirklich den Vorteil, dass wir nun auch dazu kommen mehrere, unterschiedliche Spiele zu spielen. Keine Spiele mehr, wo ich 11 Runden lang mit einem K-Wing einem 1 Lebenspunkt-Deci hinterherjage.

Du kannst auf dem Papier eine gute Liste haben, wenn Du sie nicht fliegen kannst, bringt sie Dir auch nix.  Gerade das Vollstopfen mit Ausrüstungskarten ist für mich echt kontraproduktiv. Ich bin da einfach viel zu sehr noch im 1.0 gefangen. Dies hat mir gerade mein 4. Spiel gezeigt, ein Spiel was ich eigentlich hätte gewinnen müssen. Mein Mitspieler, trotz nur wenigen Tagen Erfahrung, hat seine Liste gut beherrscht, weil er sich auf die wichtigen Dinge in seiner Staffel konzentrieren konnte.

Schlecht geflogen bin ich eigentlich gar nicht, aber nahezu die ganze Aktions-Ökonomie war bei mir eigentlich für die Katz:

  • Wedge mit Schwarmtaktik – habe ich vergessen, Protonentorpedos nur einmal abgeschossen.
  • Garvens Focusfähigkeit – nie benutzt.
  • Zielerfassungen – viel zu wenig benutzt usw. usw.

Sicherlich war hier auch ein Großteil meiner Nervosität zu verdanken, aber ich muss eine Staffel finden, welche meiner Spielweise und meinem Hirn zugänglich ist und vor allem, ich sollte mir mit dieser einen grundlegenden Plan überlegen.

Denn ich bin fast immer ohne Plan in die Spiele gegangen. Wie gewohnt, so schnell wie möglich in den Fight kommen und dann schauen was passiert. Dann darauf regieren. Zu mindestens grob sollte ich zukünftig wissen, was ich eigentlich vorhabe.

Meine Staffel war auch viel zu zerbrechlich für mich, dafür fliege ich dann einfach nicht gut genug.

Fassrollen z.B. benutzte ich fast nie, außer ich bekomme damit Schiffe mit niedrigeren Pilotenwert in meinen Schusswinkel. Diese aber vorsichtshalber auch dazu zu benutzen, nicht in den Winkel des Mitspielers zu kommen ist sicherlich auch eine gute Alternative 😉.

Ich brauch mehr Speck auf den Staffelrippen und das trotz 4 Frühstückseinheiten an diesem Turniertag.

Ich sollte mich auch mehr um die anderen Fraktionen kümmern und nicht nur Rebellenvideos anschauen und im MER auch diese Fraktionsseiten lesen. Die zwei Scum-Staffeln hatten mich einfach zu sehr überrascht.

Ich brauche ein Tray für meine Manöverschablonen, die ständige Sucherei ging mir echt auf den Keks, gerade wenn man wie ich, nahezu farblose durchsichtige Acrylschablonen hat, welche augenblicklich, wenn man sie ablegt, den Tarnmodus aktivieren.

Ich wurde sehr positiv von den Leuten Vorort überrascht und das Turnier hat dazu geführt, dass ich plötzlich wieder unglaublich viel Lust hatte, dieses Spiel zu spielen.

Das Beste war aber wirklich, die gemeinsame Zeit, welche ich mit Ilias verbracht habe.

Sei es die gegenseitige Aufregung zu spüren, die Zeit Vorort bis hin zur Rückfahrt nach Hause. DAS war ein „Vater-Sohn“-Tag wie er für uns beide, fasst nicht hätte besser sein können.

Puh, viele Dinge, welche ich für unser nächstes Turnier abarbeiten darf und ich habe nur eine Woche Zeit dafür. Denn Bericht von unserem zweiten Turnier, startend mit den Vorbereitungen und Überlegungen, findet Ihr dann beim nächsten Mal.